Ohren anlegen

Eine Ohranlegung wird oftmals im Kindesalter vorgenommen, kann aber auch bei Erwachsenen in Frage kommen. Abstehende Ohren sollen dabei durch eine Ohrenkorrektur wird an den Kopf angelegt werden. Dieses Ohren anlegen wird teilweise durch die Krankenkassen bezahlt. Wir informieren zu den Details und zur Wahl des passenden Arztes.

Abstehende Ohren sind eine angeborene Erscheinung. Meist sind beide Ohren betroffen. Eine Ohranlegung kann abstehende Ohren wieder in Normalform bringen.

Leicht abstehende OhrenAnatomisch liegt die Besonderheit darin, dass der typische Winkel zwischen Ohrmuschel und Schädelknochen von 30 Grad überschritten wird bzw. eine Vergrößerung des typischen Abstandes des umgebogenen oberen Ohrmuschelbogens (lat.: Helix) zum hinter dem äußeren Gehörgang ertastbaren Knochenvorsprung (lat.: Mastoid) auf mehr als 20mm vorliegt.

Hintergrund ist die embryonale Auslegung dieses Winkels in der 3. Schwangerschaftswoche. Aus den verschiedensten Gründen (u.a. auch genetischen Hintergründen und Umwelteinflüssen) kann diese Entwicklung einen unüblichen Verlauf nehmen und der Winkel wird vergrößert. Oft ist auch die Anthelixfalte (Gegenwindung der Ohrmuschel zur Helix) nicht ausreichend ausgebildet.

Die erste Ohranlegung wurde 1845 von dem Chirurg Dieffenbach realisiert. Natürlich lassen sich die damaligen Operationen mit den heutigen Methoden nicht mehr vergleichen. Im 19. Jahrhundert entfernte man einen Teil der Haut hinter der Ohrmuschel und nähte das Ohr am hinteren Bereich des Schädelknochens an.

Nicht selten sieht man Mädchen, aber auch Frauen, die unter ihren langen Haaren ihre abstehenden Ohren zu verstecken versuchen und Zöpfe strickt ablehnen. Auch bei Jungen lässt sich hinter langen Haaren oft ähnliches vermuten. Später im Erwachsenenalter hat man entweder die Akzeptanz gefunden oder bereut den bereits im Kindesalter versäumten Operationstermin zur Ohrenkorrektur.

Überblick Ohren anlegen

Die Ohranlegung ist ein verhältnismäßig einfacher und risikoarmer Eingriff. Wir zeigen die Fakten im Überblick:

Wirkung

  • Haltbarkeit: dauerhaft
  • Wirkung: Endergebnis spätestens nach 6 Monaten
  • Gesellschaftsfähig: nach 7-10 Tagen
  • Narben: Hinter dem Ohr versteckt

Eingriff

  • Dauer: 1 Stunde
  • Betäubung: Lokale Betäubung, bei Kindern Vollnarkose
  • Klinikübernachtungen: nicht nötig oder nur wenige Tage
  • Schmerzen: gering

Risiken

Vor allem allgemeine Operationsrisiken nach der OP: Schwellungen, Rötungen, Wundheilungsstörungen, Vernarbung, Operationsfaden-Abriss, erste Gefühlsstörungen (alle Risiken meist nur von kurzer Dauer)

Nachsorge

  • Antibiotika, Verband, Salben, regelmäßige Nachsorge-Termine beim Arzt
  • Anfänglich Schutzklappen / Stirnband tragen
  • Sporteinschränkungen in den ersten 4 Wochen nach dem Eingriff (besondere Vorsicht bei „Kontaktsport“)
  • 6 Monate Verzicht auf intensive Sonneneinstrahlung und Solarium

Kosten Ohranlegung

  •  1.500 Euro für beide Ohren
  • Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre meist von Krankenkasse übernommen

Planung

Für die Planung einer Operation ist es wichtig, den passenden Zeitpunkt zu finden. In der Regel ist eine Ohranlegung bei Kindern ab dem 4.-6. Lebensjahr möglich.

Leicht abstehende Ohren
Eine Glatze verstärkt den Eindruck abstehender Ohren

Den genauen Zeitpunkt wird Ihr Arzt mit Ihnen individuell wählen. Generell kann man aber sagen, dass das Ohr ab diesem Lebensalter 80-90% seiner erwachsenen Größe und Form bereits erreicht hat, sodass in der restlichen Wachstumsphase keine gestörte Entwicklung durch die Operation zu erwarten ist. In früheren Jahren werden diese Operationen noch nicht durchgeführt, um dem Ohr für seine Gestaltung Zeit zu geben. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich das Ohr in den Entwicklungsjahren wieder dem alten Zustand annähert.

Das Einverständnis des Kindes ist besonders für die spätere Nachsorge enorm wichtig. Von plastischen Chirurgen wird die Operation immer vor der Einschulung empfohlen. Dies bringt enorme Vorteile für die psychologische Entwicklung des Kindes und in diesem Alter werden die Operationen in den meisten Fällen auch von der Kasse übernommen.

Je nach Leidensdruck oder persönlichen Gegebenheiten können Sie sich selbstverständlich auch „erst“ im Erwachsenenalter für diese Maßnahme entschließen. Generell kann sich jeder Mensch dieser Operation unterziehen, der abstehende Ohren hat.

Vor dem Eingriff wird Ihr Arzt Vermessungen durchführen und die Windungen der Ohrmuschel betrachten, um den Eingriff besser zu planen. Bei einem Arzt sollten Sie sich ausführlich über die Möglichkeiten der Korrektur beraten lassen, die in Ihrem Fall möglich und ratsam sind. Das Endergebnis können Sie sich gegebenenfalls mit Hilfe von Computerprogrammen, mit denen so gut wie jeder Arzt inzwischen arbeitet, präsentieren lassen. Im Rahmen eines Faceliftings werden selten oder nie ebenfalls die Ohren mit angelegt.

Die allgemeinen Voraussetzungen für jede Art von Operation sind vorab zu prüfen, wie z.B. der Ausschluss von organischen Krankheiten. Zudem sollten Sie nicht zu überschießender Narbenbildung neigen.

Die Ohranlegung im Ablauf

Als Vorbereitung auf den Eingriff beachten Sie folgende risikoreduzierende Maßnahmen:

  • Vermeiden Sie Nikotin und Alkohol, möglichst zwei Wochen vor dem Eingriff, auf jeden Fall aber direkt vor dem Eingriff
  • Setzen Sie 2 Wochen vor dem Eingriff gerinnungshemmende Medikamente wie z.B.: Aspirin ab. Besprechen sie mit ihrem Arzt die Möglichkeit von Ersatzpräparaten bei absoluter Notwendigkeit.

Die Operation kann unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) oder unter Vollnarkose (in der Regel bei besonders ängstlichen Patienten und jungen Kindern angewandt) vollzogen werden.

Die Dauer des Eingriffes wird ca. 1 Stunde betragen. Je nach individuellen Entscheidungen oder Spezialisierung Ihres Arztes wird zwischen einigen Operationsmethoden der Ohrenkorrektur von abstehenden Ohren gewählt.

Im Folgenden werden kurz die gängigsten Methoden vorgestellt: Man unterscheidet die Nahttechnik, die Schnitttechnik (auch „Ritztechnik“ genannt) und eine Kombination aus beidem.

Nahttechnik

Es handelt sich hierbei um eine Technik ohne Schnitte. Die Anthelixfalte, d.h. die Gegenwindung der Ohrmuschel zum oberen umgebogenen Ohrabschluss, wird durch Nähte gefaltet. Das Ohr wird dann durch Ziehen an den befestigten Fäden angelegt. Bei dieser Operationsmethode werden meist resorbierende Nähte verwendet, d.h. der Faden löst sich von alleine nach einer gewissen Zeit auf und man diesen nicht ziehen lassen. Diese Art der Ohranlegung wird auch Methode nach Mustarde genannt.

Vorteilhaft bei dieser Methode ist, dass die Ohrmuschel nicht verletzt wird. Es gibt kaum Wundstörungen. Nachteilig ist, dass die Nähte in seltenen Fällen reißen können.

Schnitt-Technik

An der Vorderseite des Ohres ritzt der Operateur den Knorpel an mehreren Stellen ein, um dessen Struktur abzuschwächen. Damit wird das Ohr biegsamer und man kann die abstehenden Ohren nun besser nach hinten biegen. Die Rückseite wird durch Nähte angelegt, nachdem eine Hautspindel entfernt wurde. Durch diese Fixierung kann sich die Knorpelstruktur an die neue Position anpassen. Diese Art der Ohrenkorrektur wird auch Methode nach Stenström genannt.

Gegenüber der Nahtmethode können bei der Schnitt-Technik häufiger Wundheilungsstörungen auftreten.

Kombinations-Technik

Babys mit Hasenohren
Abstehende Ohren können bei Babys auch süß sein

Dies ist eine Kombination aus der Naht- und der Schnitt-Technik. Es werden mehrere Schnitte am Knorpel durchgeführt und unter Umständen ein Teil des Knorpels entfernt. Der restliche Teil wird anschließend in die richtige Position modelliert. In dieser Position werden Nähte zur Fixierung des Ohres eingesetzt. Diese Art der Ohranlegung wird auch Methode nach Converse genannt.

Nachsorge

Erholen Sie sich für ca. eine Woche nach dem Eingriff zu Hause. Um ansonsten das Behandlungsergebnis zu optimieren, sollten Sie einige Verhaltensregeln beachten:

  • Im Anschluss an die Operation sollte für mindestens einen Tag ein Druckverband um die Ohren herum getragen werden.
  • Nach Abnehmen des Druckverbands sollten Schutzklappen angelegt werden, für ca. 5-6 Tage. Diese sollen die Ohren vor äußeren Einflüssen jeglicher Art sowie Druckschmerzen beim Liegen im Schlaf schützen.
  • Fäden werden nach ca. einer Woche gezogen; danach muss evtl. kein weiterer Schutz getragen werden
  • Nach Abnehmen der Schutzklappen sollte ein Stirnband über die Ohren noch für weitere 2 Wochen (je nach Patient und Operation) tagsüber und 2 bis 3 Monate nachts getragen werden
  • Es wird regelmäßig ein vorbeugendes Antibiotikum während der ersten 7 Tage nach dem Eingriff gegeben.
  • Waschen Sie sich die Haare für einige Zeit nicht, am besten ca. 2 Wochen, um das Operationsgebiet so wenig wie möglich zu belasten
  • Vermeiden Sie Sport für ca. 3 Wochen, insbesondere Kontaktsportarten
  • Sonne und Solarium sollten bis zu 6 Monaten gemieden werden

Risiken

Neben den gängigen Risiken jeder Operation bei Vollnarkose kann es zu Nachblutungen, Blutergüssen, Schwellungen und Spannungsgefühlen kommen, die allerdings wieder abheilen.

Schmerzen sind in den ersten Tagen völlig normal und können mit Schmerzmitteln gegebenenfalls therapiert werden. In seltenen Fällen kann es zu Infektionen kommen, denen aber weitgehend durch Antibiotika sowie Schutzverbände vorgebeugt werden kann.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe speziellerer Risiken:

  • In seltenen Fällen kann sich ein Haltefaden im Knorpel lösen, weshalb ein Eingriff wiederholt werden müsste.
  • Vereinzelt entstehen Druckschäden an Weichteilen oder Nerven, die sich aber ebenfalls im normalen Verlauf innerhalb der nächsten Wochen zurückbilden. Hautschäden durch Desinfektionsmittel sind weitere mögliche, kurzzeitige Auffälligkeiten.
  • Bei wenigen Patienten wird eine Narbentherapie nötig u.a. bei gestörter Wundheilung.

Auch ästhetisch unerwünschte Folgen sind möglich: Da beide Ohren behandelt werden, wird man Ende nie eine exakte Symmetrie herstellen können. In Einzelfällen sind die Abweichungen größer als erwartet. Evtl. sind Nachkorrekturen notwendig. Allerdings gilt: Auch ohne chirurgische Eingriffe ist Ihr Körper niemals vollkommen symmetrisch.

Arztwahl

Grundsätzlich kommt eine Reihe von Ärzten für die Ohrenkorrektur in Frage, u.a.:

Gute Arztwahl ist wichtig

Insgesamt sollten Sie aber darauf aufpassen, dass Ihr Arzt eine entsprechende Spezialisierung hat. Einige Fachärzte haben sich auf Kopf-Hals-Chirurgie oder Nasen und Ohren spezialisiert und korrigieren oft abstehende Ohren. Einen solchen Arzt sollten Sie sich aussuchen und seine Kompetenz z.B. durch Vor-Nachher-Bilder belegen lassen. Es ist zudem immer sinnvoll, sich auch noch eine andere Meinung einzuholen.

Kosten Ohren anlegen

Die Kosten für eine Ohranlegung belaufen sich auf ca. 1.500 Euro für beide Ohren.

Für Kinder und Jugendliche werden die Kosten in der Regel bis zu einem Alter von 18 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Informieren Sie sich hierzu aber in jedem Fall vorab bei Ihrer Kasse. Natürlich ist die Ausgangslage entscheidend. Je dramatischer die abstehenden Ohren bzw. Segelohren sind, umso eher zahlt die Kasse. Ansonsten werden rein ästhetische Eingriffe nicht von den Kassen übernommen.

 

Häufige Fragen (FAQ)

Gibt es Alternativen zu einer operativen Maßnahme?

Grundsätzlich gibt es keine Alternativen zu einer plastischen Behebung von abstehenden Ohren. Derzeit wird allerdings viel hinsichtlich von alternativen Maßnahmen geforscht. Diese sind allerdings nur für Kleinkinder relevant. Z.B. gibt es seit neuestem so genannte Ohreinlagen, die man in den Gehörgang von Babys einführt um eine andere Entwicklung und frühestmögliche Formung der Ohrmuschel zu entwickeln.

Sind die Risiken einer Ohrenkorrektur hoch?

Normalerweise ist die Ohranlegung ein wenig riskanter Eingriff. Nachwirkungen wie Schwellungen und Schmerzen verschwinden nach wenigen Tagen.

Wann sehe ich das Resultat?

Das erste Ergebnis können Sie nach der Operation sofort sehen: Die abstehenden Ohren sollten dann verschwunden sein. Selbstverständlich gehen Schwellungen und Rötungen noch zurück. Das Ohr ist in der ersten Zeit noch sehr vorsichtig zu behandeln. Nach ca. 6 Monaten ist es allerdings so fest in seiner Form wie vor der Operation.

Soll ich lieber eine Vollnarkose wählen?

In der Regel wird der Eingriff nicht mit Vollnarkose durchgeführt und ist für die meisten auch keine große nervliche Belastung. Sollten Sie aber erhebliche Ängste haben, dann besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Bei Kindern bis zu einem gewissen Alter wird eher mit Vollnarkose gearbeitet. Insgesamt gilt es aber zu beachten, dass eine Vollnarkose immer größere Risiken birgt als eine örtliche Betäubung.

 

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