Behandlung Gynäkomastie

Die Gynäkomastie, eine Vergrößerung der Brustdrüsen bei Männern, ist oft unerwünscht. Welche Möglichkeiten zur Behandlung der Gynäkomastie gibt es und wie läuft ein plastisch-chirurgischer Eingriff ab. Umfassende Informationen finden Sie in unserem Ratgeber.

Unter Gynäkomastie versteht man die ein- oder beidseitige Vergrößerung des Drüsenkörpers der männlichen Brust. Die beidseitige Vergrößerung kommt häufiger vor. Betroffene Männer können darunter leiden, da es nicht sehr männlich wirkt.

Sie ist eine während der Pubertät noch relativ häufig vorkommende normale Reaktion des Körpers auf Hormonschwankungen, die sich oft spontan zurückbildet. Sie kann aber auch im Erwachsenenalter vorkommen oder sich bis dahin halten, teils auch als Folge von Erkrankungen oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Die meisten Betroffenen der Gynäkomastie sind entweder in der Pubertät oder aber zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr.

Mann über 50 Jahre
Ab 50 Jahren tritt Gynäkomastie häufiger auf

Man unterscheidet grundsätzlich echte und Pseudo-Gynäkomastie:

„Echte“ Gynäkomastie

Eine echte Gynäkomastie entsteht aufgrund einer Vermehrung von Brustgewebe. Die Gründe für die Ausbildung einer „echten“ Gynäkomastie können sehr unterschiedlich sein.

Bildet sich die Gynäkomastie während der Pubertät aus, ist in der Regel keine Behandlung nötig, da sich die vergrößerte Brust mit Abschluss der Pubertät spontan von selbst wieder zurückbildet. Eine leichte Gynäkomastie während der Pubertät kommt oft vor, bis zu 40% der männlichen Jugendlichen sind in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen.

Im Erwachsenenalter findet sich eine Gynäkomastie oft als Folge einer Erkrankung. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei das Sexualhormon Östrogen sowie die männlichen Geschlechtshormone, welche auch „Androgene“ genannt werden. Eine Gynäkomastie kann durch eine vermehrte Östrogenwirkung oder eine verminderte Androgenwirkung ausgelöst werden.

Eine vermehrte Östrogenwirkung kann bedingt sein durch

  • Medikamente (z.B. Digitalis, östrogenhaltige Hautsalben, Anabolika, Cannabis)
  • Nahrungsmittelzusätze (mit Östrogen gefütterte Hühnchen)
  • Östrogen produzierende Tumoren

Eine verminderte Androgenwirkung kann bedingt sein durch

  • Medikamente (Spironolakton, Cimetidin, Antiandrogene Medikamente im Rahmen der Prostatakarzinom-Therapie)
  • Primärer Hypogonadismus (Unterfunktion der Hoden)

Medikamente können zu Gynäkomastie führen

 „Unechte“ Gynäkomastie, Pseudogynäkomastie

Als Pseudogynäkomastie bezeichnet man eine Vergrößerung der männlichen Brust ohne Beteiligung von Brustdrüsengewebe. Stattdessen kommt es v.a. bei bestehender Adipositas (Fettleibigkeit) zur Einlagerung von Fettgewebe. In seltenen Fällen können auch Tumoren (Fibrome, Lipome) die Ursache für die Brustvergrößerung sein. In diesen Fällen tritt oft nur eine einseitige Vergrößerung der Brust auf.

Abgesehen von der etwaigen zu Grunde liegenden Erkrankung, stellt die Gynäkomastie oder Pseudogynäkomastie keine direkte gesundheitliche Bedrohung dar. Oftmals leiden betroffene Männer jedoch unter den psychischen Folgen ihrer vergrößerten Brust. Neben der konservativ-medikamentösen Behandlung besteht auch die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs.

Gynäkomastie-OP im Überblick

Die Gynäkomastie kann sowohl medikamentös wie auch durch einen chirurgischen Eingriff behandelt werden. Im Falle einer OP gilt Folgendes:

Wirkung

  • Haltbarkeit: Dauerhaft
  • Wirkung: Sofort sichtbar
  • Gesellschaftsfähig: Nach ca. 1 Woche
  • Narben: Kaum sichtbar

Eingriff

  • Dauer: 1-2 Stunden
  • Betäubung: Meist örtliche Betäubung
  • Klinikaufenthalt: Ambulant möglich, evtl. 1 Klinikübernachtung
  • Schmerzen: Mittel

Risiken

  • Allgemeine Operationsrisiken: Wundheilungsstörung, Wundinfektion, Nachblutung
  • Störung der Gefühlsempfindung im Brustbereich

Nachsorge

  • Störung der Gefühlsempfindung im Brustbereich
  • Kein Sport während der ersten sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff
  • Kein Sonnenbad während der ersten sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff
  • Kein Saunabesuch während der ersten sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff

Kosten

  • Ab ca. 2.500 Euro

Planung

Da es sich bei der Gynäkomastie bzw. Pseudogynäkomastie in der Regel um eine gutartige Erscheinung handelt, die keinen objektiven Krankheitswert besitzt, besteht in den meisten Fällen keine Notwendigkeit eines therapeutischen Eingreifens. Bei manchen betroffenen Männern führt die Gynäkomastie jedoch zu Brustschmerzen bzw. zu einem psychischen Leidensdruck, was zu einem starken Behandlungswunsch führt.

Grundlage jedweder Behandlung muss eine gründliche Diagnostik der Ursache für die vergrößerte Brustdrüse sein, wobei die Unterscheidung zwischen „echter“ Gynäkomastie und Pseudogynäkomastie eine wichtige Rolle spielt.

Tritt die Vergrößerung während der Pubertät auf, ist oftmals gar keine Behandlung nötig, da die vergrößerte Brustdrüse in diesem Alter normale Reaktion auf die hormonellen Schwankungen auftreten kann. Mit Abschluss der Pubertät verschwindet sie in der Regel wieder von selbst. Der Eingriff sollte also niemals während der Pubertät vorgenommen werden.

Sollte die Gynäkomastie als Folge von unerwünschten Arzneimittelwirkungen auftreten, sollte zunächst versucht werden, auf alternative Medikamente umzusteigen. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt nach dieser Möglichkeit.

Tritt die Pseudogynäkomastie im Rahmen einer starken Fettleibigkeit („Adipositas“) auf, sollte zunächst versucht werden, durch allgemeine Gewichtsreduktion Einfluss auf die vergrößerte Brust zu nehmen. Sollten Sie sich zusätzlich zu einer operativen Behandlung entscheiden, ist es notwendig, die geplante Gewichtsabnahme dem Chirurgen mitzuteilen, da die Gewichtsabnahme Einfluss auf die spätere Brustform nehmen kann.

Brustmuskel Training hilft

Umfangreiches Training der Brustmuskeln kann helfen, wird aber die Gynäkomastie nur reduzieren.

Behandlung der Gynäkomastie

Bevor man sich für eine Therapie der Gynäkomastie entscheidet, muss ausgeschlossen werden, dass eine ernsthafte Erkrankung, wie z.B. ein hormonproduzierender Tumor, vorliegt. Neben einer Ultraschalluntersuchung der Hoden wird eine Hormonbestimmung im Blut durchgeführt.

Zur Behandlung vergrößerter Brustdrüsen beim Mann gibt es zwei Therapieansätze:

  • konservativ-medikamentösen Behandlung
  • chirurgischer Eingriff

Konservativ-medikamentöse Behandlung

Die konservativ-medikamentöse Behandlung verfolgt das Ziel, die gestörte Hormonwirkung von Östrogen bzw. Androgenen zu korrigieren und kann deshalb nur bei der “echten” Gynäkomastie angewendet werden.

Medikamentöse Behandlung

Durch die Gabe von Dihydro-Testosteron kam es in einer 1983 durchgeführten Studie in 75% der Fälle zu einer Reduktion der Vergrößerung und in 25% der Fälle zu einem kompletten Verschwinden. Weitere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten sind die Gabe von Clomphen-Citrat sowie von Tamoxifen.

Chirurgischer Eingriff

Ist die Brustvergrößerung durch Einlagerung von Fettgewebe bedingt, kann dieses mit Hilfe des sogenannten Tumeszenz-Verfahrens entfernt werden. Hierbei wird in das abzusaugende Gebiet zunächst eine Flüssigkeit eingespritzt, die Betäubungsmittel, blutstillende Mittel und entzündungshemmende Medikamente enthält und zum Aufquellen der Fettzellen führt. Nach kurzer Einwirkzeit (ca. 30 Min.) kann das Fettgewebe anschließend durch kleine Einstichstellen im Brustwarzenbereich bzw. in der Achselhöhle abgesaugt werden. Oftmals kommt hierbei eine sogenannte Vibrationskanüle zum Einsatz.

Das Tumeszenz-Verfahrens findet auch bei anderen Eingriffen wie der Fettabsaugung Anwendung und hat sich gut bewährt.

Auch im Falle von Brustdrüsengewebe als Ursache kann teilweise abgesaugt werden. Handelt es sich um eine große Menge an Gewebe, muss evtl. ein halbmondförmiger Schnitt unter der Brustwarze gesetzt werden. Dieser Schnitt wird   anschließend mit einer sehr feinen Naht wieder verschlossen und ist so kaum sichtbar.

Nachsorge

Nach der Operation kann es zu Schmerzen in der Brust kommen, welche jedoch mit Schmerzmitteln gut in den Griff zu bekommen sind. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden. Oftmals wird jedoch empfohlen, eine Nacht zur Überwachung im Krankenhaus zu bleiben.

Befolgen Sie zudem folgende Anweisungen, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen:

  • Nehmen Sie sich nach dem Eingriff ausreichend Zeit, um sich von der Operation zu erholen. Planen Sie ein bis zwei Wochen ein.
  • Kein Sport während der ersten sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff
  • Kein Sonnenbad, kein Saunabesuch während der ersten sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff

Die Hautfäden müssen acht bis vierzehn Tage nach der Operation entfernt werden. Nehmen Sie die mit Ihrem Arzt vereinbarten Termine zur Nachsorge unbedingt wahr.

Risiken

Die Behandlung einer Gynäkomastie ist einer der weniger schweren operativen Eingriffe.

Wie jede Operation birgt auch die operative Behandlung der Gynäkomastie einige Risiken. Neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Wundheilungsstörung, Wundinfektion und Nachblutung besteht speziell bei der Behandlung der vergrößerten Brustdrüsen beim Mann die Gefahr der Verletzung von Nerven mit anschließender Störung der Gefühlsempfindung im Bereich der Brustwarze.

Arztwahl

Das Angebot an Ärzten, die eine operative Behandlung der Gynäkomastie durchführen, ist groß. Man verliert schnell den Überblick Grundsätzlich kommt für den Eingriff besonders ein Facharzt für Ästhetische und Plastische Chirurgie in Frage.

Gute Arztwahl ist wichtig

Achten Sie bei der Wahl Ihres Arztes unbedingt darauf, dass der Arzt regelmäßig entsprechende OPs durchführt, also bereits Erfahrung gesammelt hat. Ärzte, die oftmals Eingriffe in Form der Fettabsaugung durchführen, haben oftmals gute Voraussetzungen, da die Eingriffe ähnlich sind. Lassen Sie sich nicht nur von einem Arzt beraten, sondern holen Sie sich auf jeden Fall eine zweite Meinung ein.

Kosten

Eine operative Behandlung der Gynäkomastie kostet ab ca. 2.500,- Euro.

Liegt eine starke „echte“ Gynäkomastie vor, werden die Kosten evtl. von der Krankenkasse übernommen, bei der Pseudogynäkomastie werden die Kosten in der Regel nicht übernommen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Ergebnis der Behandlung dauerhaft?

Normalerweise kommt es nach Entfernung des Brustdrüsengewebes und Fettabsaugung zu keiner erneuten Vergrößerung der Brust, solange es nicht wieder zu einer starken Gewichtszunahme kommt. Legt der Patient nach der Entfernung stark an Gewicht zu, kann es zu einer erneuten Einlagerung von Fettgewebe in die Brust kommen.

In welchem Alter sollte eine Gynäkomastie-Behandlung durchgeführt werden?

Grundsätzlich gilt, solange die Pubertät noch nicht abgeschlossen ist, sollte keine operative Behandlung der Gynäkomastie durchgeführt werden. Die Gynäkomastie tritt während der Pubertät als Folge der Hormonschwankungen häufig auf und bildet sich normalerweise nach einigen Jahren wieder von selbst zurück.

 Sind nach dem Eingriff Narben zu sehen?

 Bei einer reinen Fettabsaugung müssen lediglich kleine Einstiche im Brustwarzenbereich bzw. in der Achselhöhle vorgenommen werden, welche anschließend kaum sichtbar sind. Muss zusätzlich noch Brustgewebe entfernt werden, wird die Schnittführung in der Regel halbmondförmig unterhalb der Brustwarze gesetzt und anschließend mit einer feinen Hautnaht wieder verschlossen. Narben sind bei dieser Technik fast nicht zu sehen.

Kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden?

Eine ambulante Durchführung der Gynäkomastie-Behandlung ist möglich. Oftmals empfiehlt es sich jedoch zur Sicherheit, eine Nacht in der Klinik zu bleiben. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, ob dies in Ihrem Fall notwendig ist.

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