Fehlsichtigkeiten werden normalerweise mittels Brille oder Kontaktlinsen korrigiert. Nicht immer ist dies aber die optimale Korrekturmethode. Dann kommt eine Reihe von Augen-OPs in Frage, durch die die Abhängigkeit von Brille und Kontaktlinse reduziert oder ganz aufgehoben wird. In Summe werden diese dem Bereich Refraktive Chirurgie zugeordnet.

Zwei Teilbereiche der refraktiven Chirurgie im Überblick

Verfahren der refraktiven Chirurgie, die die Fehlsichtigkeit an der Hornhaut korrigieren, sind folgende:

PRK, Lasek oder Lasik werden alternativ eingesetzt, wobei PRK heute aber kaum noch zur Anwendung kommt und vor allem Lasik angewendet wird.

ICRS, bei der bogenförmige Ringsegmente in die mittlere Hornhaut (Stroma) eingesetzt werden, hat sich als Methode bisher nicht durchgesetzt, obwohl sie den Vorteil hat, dass die Folgen rückgängig gemacht werden können.

Diese Verfahren werden auch refraktive Hornhautverfahren genannt und bilden einen Teil der refraktiven Chirurgie.

Augen-OPs, die die Fehlsichtigkeit an der Linse korrigieren (mittels Linsenaustausch und -einsatz) sind:

  • Phake IOL (je nach Unterverfahren auch ICL = implantable contact lense oder Artisan / Veriseye genannt): Weitsichtigkeit von +3 dpt bis +8 dpt; Kurzsichtigkeit von –10 dpt bis –20 dpt
  • Bioptics (Phake IOL kombiniert mit Lasik): Für höhere Fehlsichtigkeiten als bei phaker IOL
  • Linsentausch oder CLE (clear leans exchange; auch genannt RLE = refractive lens exchange): Weitsichtigkeit ab +6 dpt; Kurzsichtigkeit ab –20 dpt

Diese Verfahren werden auch refraktive Linsenverfahren genannt.

Im Laufe der Zeit werden alle angewandten Augen-OP-Methoden weiterentwickelt, sowohl hinsichtlich Eintritt und Nachhaltigkeit des Erfolgs als auch hinsichtlich der Risiken und postoperativer Schmerzen. Daher sind medizinische Studien nur bedingt aussagefähig, da sie sich oft auf ältere Methoden beziehen.

Refraktive Hornhautverfahren: Augenlasern und Co.

Vom Grunde her basieren die Methoden PRK, Lasek und Lasik auf dem gleichen Prinzip: Die Hornhaut wird so abgetragen, dass die Fehlsichtigkeit durch eine andere Lichtbrechung korrigiert wird. Die Unterschiede bestehen vor allem im Zugriff sowie der Lage der Behandlungsstelle im Auge.

Bei der PRK-Methode wird das Deckhäutchen auf der Hornhaut (Epithel) komplett abgelöst und dann auf der Oberfläche der Hornhaut der Eingriff vorgenommen. Anschließend wächst das Epithel wieder zu. Bei der Lasek-Methode wird das Epithel einseitig abgelöst, zurückgeschoben und nach dem Eingriff wieder vorgeschoben. Bei der Lasik-Methode wird tiefer in die Hornhaut geschnitten und ein Teil der Hornhaut inklusive dem Epithel zur Seite geschoben und nach dem Eingriff wieder vorgeschoben. Je nachdem, ob dazu ein Laser genutzt wird oder ein kleines Präzisionsmesser, unterscheidet man Femto-Lasik und Keratom-Lasik. Informationen zur Femto-Lasik finden Sie in unserem entsprechenden Ratgeber.

Für den Patienten liegt der Unterschied in den Anwendungsmöglichkeiten und den möglichen postoperativen Schmerzen sowie dem Risiko. PRK, vor allem aber Lasek, sind die Methoden der Wahl, wenn die Hornhaut besonders dünn ist; dann kann die Lasik-Methode nicht angewendet werden (Ihr Augenarzt muss die Dicke der Hornhaut vorab messen). Mittels Lasik können stärkere Sehschwächen korrigiert werden, da der Eingriff tiefer ansetzt. Lasik hat aber gegenüber der Lasek-Methode ein erhöhtes Risiko aufgrund des tieferen Eingriffs. Auch die PRK-Methode birgt ein höheres Risiko, da hier das Epithel komplett entfernt wird und von selbst nachwachsen muss. Postoperative Schmerzen sind bei Lasik am geringsten, gefolgt von Lasek und dann der PRK-Methode. Grund hierfür ist das Epithel, welches den schmerzempfindlichen Teil des Auges darstellt. Bei der PRK- und der Lasek-Methode wird direkt an diesem Teil gearbeitet und die Eingriffsstelle liegt direkt unter dem Epithel. Die Hornhaut selbst dagegen ist schmerzunempfindlich – der Lasik-Eingriff wird daher kaum gemerkt.

AK wird manchmal in Kombination mit Lasik angewendet, wenn die Hornhautverkrümmung besonders hoch ist. Dabei werden kleine Schnitte in die Hornhaut gemacht, um die Verkrümmung zu entlasten. Es sind dabei aber mehrere Sitzungen erforderlich.

Eingriffe der refraktiven Chirurgie am Auge erscheinen als hoch riskant. Die Angst, das eigene Augenlicht bei einer Augen-OP zu verlieren oder dauerhafte Beeinträchtigungen zu erleiden, ist groß. Damit drängt sich eine Frage auf: Lassen sich Augenärzte, die ja die Risiken am besten abschätzen können müssten, Fehlsichtigkeiten ebenfalls korrigieren?

Nach einer älteren Umfrage des VSDAR (Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie) vor über 10 Jahren haben sich bereits 2% der Augenärzte einer Augenkorrektur mit dem Laser (hier wurde speziell auf die Lasik-Methode abgestellt) unterzogen. Alle sind laut Umfrage zufrieden gewesen. 74% der Ärzte würden ihren Patienten einen Lasereingriff raten, nur 20% waren damals dagegen. 6% würden keine aktive Empfehlung aussprechen, aber auch nicht davon abraten. Ca. 30% der Ärzte würden sich einem Eingriff unterziehen, wenn die Voraussetzungen bei ihnen vorliegen würden. 77% der Ärzte hätten Lasik gegenüber PRK als Methode des Eingriffs bevorzugt. Augen-OPs im Rahmen der refraktiven Chirurgie stehen die behandelnden Ärzte also positiv gegenüber.

Refraktive Linsenverfahren: Intraokularlinsen, Multifokallinsen und Co.

Bei den refraktiven Linsenverfahren als Teil der refraktiven Chirurgie unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Vorgehensweisen: Einsetzen einer Zusatzlinse (Phake IOL; Intraokularlinsen) oder Entfernung und Ersatz der natürlichen Linse (CLE; Linsenaustausch und Einsetzen einer Multifokallinse). Diese Verfahren werden zur Korrektur größerer Fehlsichtigkeiten eingesetzt.

Beide Verfahren funktionieren auf dem gleichen Prinzip: Am Auge wird seitlich ein kleiner Schnitt angebracht, in den die Linse eingesetzt wird. Bei CLE wird vorab die natürliche Linse abgesaugt. Bei den Verfahren ist zu unterscheiden, wo die Linse eingesetzt wird (Vorderkammer, Hinterkammer) und welches Material bzw. welche Eigenschaften die Kunstlinse haben soll.

CLE, also der Linsentausch, ist naturgemäß riskanter, denn der Eingriff ist nicht rückgängig machbar. Die natürliche Linse wird beim Eingriff unwiederbringlich zerstört. Da auch die Fähigkeit des Auges verloren geht, sich in der Nähe scharf zu stellen, werden Multifokallinsen eingesetzt. CLE ist das Verfahren der letzten Wahl und wird vor allem bei sehr großen Fehlsichtigkeiten um die –20 dpt Kurzsichtigkeit oder +8 dpt Weitsichtigkeit eingesetzt oder, um den Grauen Star oder eine starke Altersweitsichtigkeit zu korrigieren. Insgesamt sollten die Patienten bei der CLE älter und die Fähigkeit des Auges, sich in der Nähe scharf zu stellen (Akkommodationsfähigkeit), bereits reduziert sein.

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