Gepäckverspätung oder gar Gepäckverlust sind unangenehm. Jeder kennt das Problem: Ihr Gepäck erreicht nach einem Flug nicht gemeinsam mit Ihnen das Ziel. Sie stehen vergeblich am Gepäckband, die Reihen lichten sich und Sie alleine warten auf Ihren Koffer, der nicht kommt.

Meist passiert dies, wenn Sie einen Anschlussflug hatten und die Zeit zwischen beiden Flügen sehr knapp war. Manchmal passiert dies aber auch ohne erkennbaren Grund. Manchmal – aber selten – sieht man auf dem Flugfeld einen Gepäckwagen fahren, bei dem Gepäck runterfällt. Dann weiß man, dass dieser Koffer gar nicht oder zu spät beim Besitzer eintreffen wird.

Täglich kommen in Europa mehrere tausende Gepäckstücke nicht rechtzeitig an. Im Schnitt kommt ein halbes Promille (0,5%) des Gepäcks nicht an. Die Quote ist zwar nicht schlecht, es trifft aber doch sehr viele Fluggäste.

Aber was kann man tun und erhält man gar eine Entschädigung, wenn das Gepäck nicht rechtzeitig ankommt? Gepäckverluste bzw. Gepäckverspätungen sind seit langer Zeit im Montrealer Übereinkommen geregelt. Deutschland ist diesem Übereinkommen beigetreten.

Fluggesellschaft haftet für Ihr Gepäck

Die ausführende Fluggesellschaft haftet für das Gepäck, welches sie transportieren soll. Die Gepäckabfertigung am Flughafen geschieht im Auftrag der Fluggesellschaft; diese muss dann auch bei Problemen dafür gerade stehen. Diese Fluggesellschaft ist dann auch Ihr Ansprechpartner.

An den Flughäfen gibt es allerdings die Lost & Found-Schalter, wo Sie Ihren Verlust direkt melden sollten. Dort wird dann ein sogenannter PIR (Property Irregularity Report) ausgestellt, der Ihre Anspruchsgrundlage darstellt. Außerdem muss die Fluggesellschaft auch wissen, wohin sie das Gepäck liefern soll, wenn es doch noch ankommt.

Ihren Gepäckverlust sollten Sie sofort melden. Wenn dies mal nicht möglich ist, haben Sie dafür in Deutschland maximal 3 Wochen (21 Tage) Zeit. Danach verfällt Ihr Anspruch auf Schadensersatz.

Bei Gepäckproblemen: Schadensersatz ja, pauschale Entschädigung nein

Anders als im Falle von Flugverspätungen oder Flugausfällen gibt es aber keine pauschalen Entschädigungen für zu spätes oder verlorenes Gepäck.

Allerdings muss die Airline für den verursachten Schaden aufkommen. Wenn Sie in den Urlaub fliegen und dort eine Nacht ohne Ihr Gepäck überbrücken müssen, müssen Sie sich notwendige Dinge ersatzweise kaufen. Dazu gehören Zahnbürste, Waschzeug und sonstige Hygieneartikel. Wenn die Nachlieferung länger dauert, muss die Airline auch mehr ersetzen. Wenn Sie sich zum Beispiel Kleidung kaufen müssen, dann ist die Luftfahrtgesellschaft verpflichtet, sich daran zu beteiligen. Meist wird nur eine Art Nutzwert in der zu überbrückenden Zeit ersetzt, denn Sie können die Kleidung ja auch noch danach tragen. Die Fluggesellschaften ersetzen daher oftmals nur 50% der Ausgaben für Kleidung. Dabei müssen die Einkäufe auch moderat sein. Sie können sich nicht auf Kosten der Airline mit Luxusgütern eindecken.

Allerdings muss der Schadensersatz sachgemäß erfolgen: Wenn Sie eine Hochzeit besuchen oder ein Business-Meeting, brauchen Sie entsprechende Kleidung. Shorts reichen dann natürlich nicht.

Um die Käufe später belegen zu können, müssen Sie die Kaufbelege dafür selbstverständlich aufbewahren.

Gepäckverlust ist ein seltener Härtefall

Es kann auch sein, dass Ihr Gepäck komplett verloren geht. Dies wird auch angenommen, wenn es innerhalb von 21 Tagen nicht wieder auftaucht.

Im Falle des Verlusts des Gepäcks muss die Fluggesellschaft den Verlust wertmäßig erstatten. Allerdings gilt dies nur zum Zeitwert und nur innerhalb bestimmter Höchstgrenzen.

Blick in einen gepackten Koffer
Der Inhalt des eigenen Gepäcks ist oft nicht exakt nachweisbar

Insgesamt ist es bei einem Gepäckverlust schwer, den verlorenen Inhalt nachvollziehbar aufzulisten und die Werte anzugeben. Für die meisten Sachen werden Sie keine Nachweise oder Belege mehr haben.  Hier ist man ein Stück weit auch auf die Fluggesellschaft und deren Kulanz angewiesen. Eine automatisch fällige Pauschale gibt es nicht.

Haftung der Fluggesellschaft bei Beschädigung von Gepäck

Bei Flugreisen muss die Airline auch für Beschädigungen gerade stehen. Dies gilt nur dann nicht, wenn die Fluggesellschaft nachweisen kann, dass sie alle Prozesse korrekt ausgeführt hat oder aber, wenn der Fluggast bestimmte zerbrechliche Dinge ohne entsprechenden Schutz transportiert hat oder auf sonstige Weise fahrlässig gehandelt hat.

Auch bei Beschädigungen gibt es Obergrenzen, bis zu der die Fluggesellschaft haften muss. Beschädigungen müssen Sie übrigens schon nach 7 Tagen bei der Airline melden. Danach verfallen Ihre möglichen Ansprüche.

Maximale Höhe des Schadensersatzes bei Verlust oder Beschädigung des Gepäcks

Nach dem Montrealer Übereinkommen für Luftfracht beträgt die Haftung der Airline maximal 1.000 Sonderziehungsrechte (?) je Reisendem. Die Sonderziehungsrechte sind eine Art Kunstwährung in diesem Übereinkommen und entsprechen aktuell ca. 1.300 €.

Alle Ansprüche sind grundsätzlich durch diesen Betrag gedeckelt, seien es der Kauf von Artikeln zur Überbrückung, die Begleichung von Schäden am Gepäck oder der Verlust des Gepäcks.

Eine Erhöhung dieser Summe ist nur möglich, wenn Sie vor Abflug bei der Fluggesellschaft eine Wertdeklaration Ihres Gepäcks machen. Wenn Sie besondere Wertgegenstände mitführen, ist das sinnvoll. Allerdings wird die Fluggesellschaft dann für die Beförderung zusätzliche Gebühren erheben. Dies müssen Sie in Kauf nehmen, sind aber im Verlustfalle besser abgesichert.

Hilfe durch Fluggastrechte-Dienstleister bei Gepäckverlust?

Die Fluggastrechte-Dienstleister unterstützen nur selten im Falle von Gepäckverlust oder Gepäckverspätungen. Nur der Anbieter fairplane propagiert dies offen auf seiner Webseite; bei den anderen Gesellschaften fehlt dieser Punkt.

Die Gründe sind recht einfach zu durchschauen: Es gibt im Falle der Gepäckverspätung oder des Gepäckverlustes keine pauschale Entschädigung. Jeder Schadensersatzanspruch ist mit umfangreichen Nachweisen durch den Fluggast zu untermauern. Das ist langwierig.

Wenn Sie bei Gepäckverlust also Hilfe brauchen, müssen Sie zu einem Anwalt gehen, der auf Reiseverkehrsrecht oder Fluggastrecht spezialisiert ist.

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