Auch wer ein Hotelzimmer online bucht, hat kein Recht auf Widerruf. Das Fernabsatzgesetz gilt nicht für Hotelbuchungen, die der Klasse der Freizeitverträge zugerechnet werden.

Hotelbuchungen werden dabei nicht anders behandelt als Pauschalreisen, Flüge, Ferienwohnungen, Eventtickets und viele andere Buchungen mehr, die sich auf ein bestimmtes Datum beziehen. In dem Moment, wo Sie das Zimmer buchen, haben Sie sich zur Zahlung des Preises verpflichtet, egal, ob Sie das Zimmer nutzen oder nicht.

Alle erforderlichen Details ergeben sich aus den Regelungen zum Beherbergungsvertrag nach § 535 BGB (auch zum normalen Mietvertrag). Insbesondere heißt es in § 537 BGB:

 

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„Der Mieter wird von der Entrichtung der Miete nicht dadurch befreit, dass er durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Ausübung seines Gebrauchsrechts gehindert wird. Der Vermieter muss sich jedoch den Wert der ersparten Aufwendungen sowie derjenigen Vorteile anrechnen lassen, die er aus einer anderweitigen Verwertung des Gebrauchs erlangt.“
§537 BGB

Einfach stornieren reicht also nicht, um von der Zahlung befreit zu werden. Allerdings muss der Vermieter, also der Hotelier, sich ersparte Aufwendungen gegenrechnen lassen. Dies sind dann zum Beispiel Kosten der Zimmerreinigung, der Nebenkosten wie Strom und des nicht zu leistenden Frühstücks. Dies kann man natürlich nicht einfach nachweisen; in der Rechtsprechung haben sich daher Rahmensätze ersparter Aufwendungen etabliert:

  • bei Übernachtung/Frühstück pauschal 20 % vom gebuchten Preis als ersparte Aufwendungen
  • bei Übernachtung/Halbpension pauschal 30 %
  • bei Übernachtung/Vollpension pauschal 40 %.

Der Hotelier muss dagegen nicht aktiv versuchen, das Zimmer weiter zu vermieten. Ein Nachweis fiele auch sehr schwer, wenn das Hotel nicht ausgebucht ist und das eine Zimmer dann nachweislich doch weitervermietet wurde. Dann kann der Hotelier gar keinen Schadensersatz fordern.

100% des bezahlten Preises als Storno kommen dann in Frage, wenn das Storno erst 24h vor Buchungsbeginn erfolgt. Dann kann der Hotelier nicht mehr viel einsparen, da er evtl. schon die Reinigungsleistung gebucht hat.  Mit ausreichendem Abstand zum Beginn des gebuchten Zeitraums sind jedoch die oben genannten Abzüge zum vollen Kaufpreis ein guter Richtwert.

Effektiv hat sich allerdings in der Hotellerie, insbesondere durch die Online-Hotelbuchungsportale, eine kostenlose Stornierung bis 24h vor dem gebuchten Termin durchgesetzt, manchmal gar bis 18 Uhr am Anreisetag. Insofern ist das Thema Widerruf oder eben auch Schadensersatz bei einem Storno einer Hotelbuchung nicht mehr ganz so wichtig.

Anders sieht es dagegen zum Beispiel bei Ferienwohnungen aus, wo die kurzfristig, folgenlose Stornomöglichkeit aktuell noch kein Standard ist.

 

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